W123-Club Stammtischausfahrt zur Retro Classics Stuttgart am 27.03 2015

Die großen Messen in Deutschland sind Bremen, Stuttgart und Essen. Für uns in den südlichen Bundesländern ist Stuttgart erreichbarer. Und so machten sich am 27. März 13 Stammtischfreunde in einem VW-Bus und einem Vito auf den Weg nach Stuttgart.
Wir waren schon kurz nach 9:00h da und mussten erst mal bis 10:00h warten bis man uns hinein ließ. Aber dann konnten wir die Ausstellung in vollen Zügen genießen. Voll war es schon am Freitag schon ab der ersten Minute. Wir wollten dem Gedränge an Samstag und Sonntag entgehen. Trotzdem erstaunlich wie viele Menschen sich schon Freitag frei genommen hatten.
Gleich vor der Halle 1 noch im Forum der erste (niederländische) Händler. Respektable Preise meinte ich - bis ich die anderen Preise in den Hallen gesehen habe. Dafür gab es bei dem Händler schon Durchrostungen in den Kotflügeln beim ausgestellten W 108. Ein paar Meter weiter von der Firma VOS vermeintlich schöne Autos auf selbstbewußtem Stand. Der 300 SEL 6,3 mit um 90.000 EUR und uninteressiert überlackiertem verrostetem Radhaus. Der 600 um knapp 100.000 EUR mit fehlender/falsch zusammengebastelter Fußraumverkleidung rechts. Verzeiht bitte den bissigen Kommentar. Aber von angeblichen Fachfirmen erwarte ich mir auf einer solchen Messe etwas mehr Sensibilität und Qualität.
So vorkonditioniert machte ich mich auf den langen Weg durch die Hallen. Am Ende des Tages sollten es knapp 9 Stunden Laufen ohne Hinsetzen mit etwa 12 km Laufstrecke werden.
Zunächst ist wie jedes Jahr festzuhalten: es gibt exquisite Autos zu ebenso exquisiten Preisen. Bei den eingeführten Fachbetrieben wie HK-engineering, auto-toy-store oder mechantronic kann man nur staunen ob der Stände und ob der angebotenen Fahrzeuge. W 111 Cabrios gibt es anscheinend nur noch über 100.000 EUR. Das abgebildete Fahrzeug kostete 139.000 EUR. Und wer glaubt im Ausland gäbe es diese Fahrzeuge billiger: ein perfekt restaurierter 250 SE Cabrio aus ungarischem Fachbetrieb kostete 155.000 EUR. Mit uns W 123-Fahrern hat das weniger zu tun. Davon wohltuend abgehoben haben sich eher wenige Fahrzeuge wie z.B. ein schöner W 124 200D zu 5.900 EUR in gutem Zustand.
Sehr gut gefallen haben mir die US-Oldtimer vom Schlage des Ford Model T in Halle 1. Diese zeigten die Vielfalt von der Limousine bis zum Rennwagen - alles auf derselben Plattform. Moderne Fahrerassistenzsysteme? Sicherheitseinrichtungen? Was ist das?
Nicht weit weg: ein an sich schöner W 111 220 SE, aber halt wieder mit überlackiertem Radhaus unter dem noch der Dreck war. Die schwarze Abdeckung im Radhaus und deren Dichtung waren leider mit Steinschlagschutz überpinselt und farbig überlackiert und nicht mehr auffindbar. Dem neuen Besitzer viel Glück - er wird es brauchen.
Nun zu den erfreulichen Dingen: mir hat besonders die Halle mit den amerikanischen Fahrzeugen gefallen. In meiner Nachbarschaft hat sich eine Gruppe Enthusiasten zusammengefunden. In Stuttgart war noch viel mehr geboten. Mir persönlich angetan hatte es ein 1957 Lincoln Premiere Hardtop Coupe in bestechendem Zustand und zu rund 43.000 EUR, die das Auto angesichts der Restaurationsleistung wohl wert war. Es gab berückend schön gestaltete Stände und Fahrzeuge, die hier nur auszugsweise gezeigt werden können und die zeigen, daß US-Cars eben nicht nur Mustang und Camaro heißen. Das schönste Beispiel war ein Buick Electra, der von einem deutschen Eigentümer für seine Tochter Josefa so restauriert und in amerikanisch- überladenem Geschmack aufgerüstet wurde, daß er zu schade für die Strasse ist. Nun weiter zu den Youngtimern die auch noch fahrbar sind: von W 123 habe ich in den Ausstellungen (außer natürlich am Clubstand) wenig gesehen., Die Händler hatten kaum etwas, die Privatanbieter durchwachsene Autos. Am besten war ein 280 TE aus der Schweiz, neu lackiert mit guter Ausstattung und rd. 150.000 km Laufleistung zu 17.000 EUR. Die Zeiten in denen man ein gutes T-Modell unter 12.000 EUR bekam sind wohl vorbei. Mein persönlicher Favorit war ein alltagstauglicher wiewohl sehr gut erhaltener W 124 300 CE-24 Cabrio und mit 18.500 EUR war er auch noch bezahlbar und mit überschaubarer Laufleistung. Demgegenüber standen die sonst angebotenen C124-Cabrios bei gutem Zustand oft über 30.000 EUR!
Gefühlt häufigstes Fahrzeug auf der Messe war der R 107. Es muß eine halbe Jahresproduktion da gewesen sein. Wer sich für so ein Fahrzeug interessiert: es wurde jede Farbe und jede Ausstattung geboten - auch der Daimler-Händler in den 80ern hatte nicht mehr im Katalog.
Von der angekündigten BMW-Sonderausstellung war nicht viel zu sehen. In der Porsche-Halle waren Neuwagen (was haben die auf einer Retro Classic zu suchen?). Am schlimmsten trieb es die Marke Jeep: von den ausgestellten Fahrzeugen war genau einer (1) Oldtimer und alle anderen Katalog-Neuwagen. Dazu passend manches Zubehörangebot wie z.B. Felgen für neue Sportwagen. Da gleitet die Messe etwas ab.
Versöhnlich der Rundgang über die Teilemarkthallen. Es wurde für jeden etwas geboten (Bild 25, 26). Mir persönlich fehlt der früher gewohnte Stand des Mercedes-Gebrauchtteile-Centers an dem ich immer etwas gefunden und gekauft hatte. Kompensiert wird das von einer Vielzahl hoch interessanter Angebote. Zwischen Glaube und Wahrsagung liegt wohl der Markt für alle möglichen Öle und Additive und Pflegemittel. Während man bei Pflegemitteln und gefühlt 200 angebotenen Felgenbürsten wenig kaputt machen kann würde ich Additive im Öl meiden solange nicht von Daimler freigegeben. Ein Stand mit dem Namen MALCAN versprach Reduzierung des Verschleißes um 80% und demonstrierte das mit einem Reibradprüfstand. Ich habe mir noch Kontakte und Prospekte mitgenommen von:

  • Classic Instruments (man weiß nie wann das eigene Kombiinstrument keine Lust mehr hat) (Mein Tip: KAJA Tachodienst Neunkirchen am Brand)
  • Bosch Steuergeräte-Reparatur (kommt irgendwann)
  • Schairer Klassiker (wohltuend sachlich) und
  • PFK Federkern-Manufaktur (mein W 123 hat neue Federkerne aber die anderen?)
  • Ferme Bauer im Elsass (die mit den leckeren Brötchen!)
Und natürlich haben wir den W 123-Clubstand besucht und uns bei Torsten, Steffen, Michael und den anderen für die Reiseunterstützung bedankt! Ich kann nur sagen: der Stand war wieder sehr schön gestaltet und die Fahrzeuge sehenswert! Mir hat das Radiodisplay mit den Lautsprecherkombinationen sehr gut gefallen.
Den Heimweg haben unsere waidwunden Füße und wir dann wieder mit leider total nüchternen modernen Fahrzeugen angetreten und in Feuchtwangen im Gasthof Walkmühle zu einem sehr guten Abendessen beim Chef des Hauses unterbrochen.

Euer Dr.-Ing. Manfred Rudlof am 08.05.2015

Fotos vom
Retro Classics Stuttgart 2015





 
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